Der
Winter ist eingebrochen. Das hat mir den Abschied versüßt.
Gestern
fanden zwei Abschiedsfeiern zu meinen Ehren statt.
Zunächst
in der Schule. Etwa 50 Schüler empfingen mich und sangen „Auf
einem Baum ein Kuckuck saß“. Diese Woche hatte ich zwei
Musikstunden über deutsche Traditionen und Volksmusik, in denen ich
mit einigen Schülern auch dieses Lied gesungen hatte. Das kam riesig
an. Daß sie es nun ohne eine Hilfe singen konnten, rührte mich. Sie
hatten auch einen Film vorbereitet, in dem noch mal meine Tätigkeiten
in der Schule rekapituliert wurden. Dann sang ich noch ein
Abschiedslied, das ich eigentlich schon im Mai singen wollte, als
Roma und ich aufgefordert waren, Lieder aus unserer Heimat zu singen.
Damals war ich aber krank und spielte stattdessen das Musikvideo zu
„99 Luftballons“. Jetzt also spielte ich auf der Gitarre „Über
den Wolken“ von Reinhard Mey, kam beim Text ins Trudeln und
beschloß, nur zwei Strophen zu singen. Aber das Publikum war sehr
dankbar.
Abschiedsfoto
Am
Nachmittag war dann Abschiedsfeier im Park. Ich hatte eine Rede auf
litauisch vorbereitet, was sehr gut aufgenommen wurde. Endlich
konnten mich alle verstehen! Als ich dann meine Geschenke verteilte,
waren alle gerührt: Ich hatte Weihnachtssterne gebastelt. An dieser
Stelle möchte ich Samuel danken, der mir diese Technik beigebracht
hat. Im Gegenzug bekam ich einen Kalender mit Fotos aus diesem Jahr
und eine Karnevalsmaske. Die meisten Fotos von der Abschiedsfeier sind leider unterirdisch
geworden.
Aldona
freut sich über ihren Weihnachtsstern
Heute
waren Aldona und ich noch mal am Meer. Der Park sieht bei Winter aus
wie ein großer Märchenwald.
Am
Meer war es stürmisch und kalt.
Zum
Schluß habe ich noch Kretinga kennengelernt, eine
30.000-Einwohner-Stadt etwa 40 km von Plateliai entfernt. In der
Kirche stieß ich noch auf eine religiöse Sitte in Litauen: Wer sich
etwas wünscht, muß dem heiligen Anton etwas mitbringen, das seinem
Wunsch entspricht. So wie ich das verstanden habe, geht es dabei
vorrangig um Gesundheitsprobleme. Offenbar hatten also viele
Herzprobleme, denn dort hingen viele Herzen. Aber vielleicht habe ich
es auch falsch verstanden.
Unwissend
verlasse ich dieses Land. Morgen früh werde ich nach Kaunas fahren,
um dort noch etwas Papierkram zu erledigen. Am Montag heißt es dann
zum letzten Mal: Guten Morgen, Litauen!
Und
falls wir uns nicht mehr sehen sollten: Guten Tag, guten Abend und
gute Nacht!