Samstag, 1. Dezember 2012

Woche 39

Der Winter ist eingebrochen. Das hat mir den Abschied versüßt.


Gestern fanden zwei Abschiedsfeiern zu meinen Ehren statt.
Zunächst in der Schule. Etwa 50 Schüler empfingen mich und sangen „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“. Diese Woche hatte ich zwei Musikstunden über deutsche Traditionen und Volksmusik, in denen ich mit einigen Schülern auch dieses Lied gesungen hatte. Das kam riesig an. Daß sie es nun ohne eine Hilfe singen konnten, rührte mich. Sie hatten auch einen Film vorbereitet, in dem noch mal meine Tätigkeiten in der Schule rekapituliert wurden. Dann sang ich noch ein Abschiedslied, das ich eigentlich schon im Mai singen wollte, als Roma und ich aufgefordert waren, Lieder aus unserer Heimat zu singen. Damals war ich aber krank und spielte stattdessen das Musikvideo zu „99 Luftballons“. Jetzt also spielte ich auf der Gitarre „Über den Wolken“ von Reinhard Mey, kam beim Text ins Trudeln und beschloß, nur zwei Strophen zu singen. Aber das Publikum war sehr dankbar.

Abschiedsfoto

Am Nachmittag war dann Abschiedsfeier im Park. Ich hatte eine Rede auf litauisch vorbereitet, was sehr gut aufgenommen wurde. Endlich konnten mich alle verstehen! Als ich dann meine Geschenke verteilte, waren alle gerührt: Ich hatte Weihnachtssterne gebastelt. An dieser Stelle möchte ich Samuel danken, der mir diese Technik beigebracht hat. Im Gegenzug bekam ich einen Kalender mit Fotos aus diesem Jahr und eine Karnevalsmaske. Die meisten Fotos von der Abschiedsfeier sind leider unterirdisch geworden.

Aldona freut sich über ihren Weihnachtsstern

Heute waren Aldona und ich noch mal am Meer. Der Park sieht bei Winter aus wie ein großer Märchenwald.

Am Meer war es stürmisch und kalt.



Zum Schluß habe ich noch Kretinga kennengelernt, eine 30.000-Einwohner-Stadt etwa 40 km von Plateliai entfernt. In der Kirche stieß ich noch auf eine religiöse Sitte in Litauen: Wer sich etwas wünscht, muß dem heiligen Anton etwas mitbringen, das seinem Wunsch entspricht. So wie ich das verstanden habe, geht es dabei vorrangig um Gesundheitsprobleme. Offenbar hatten also viele Herzprobleme, denn dort hingen viele Herzen. Aber vielleicht habe ich es auch falsch verstanden.


Unwissend verlasse ich dieses Land. Morgen früh werde ich nach Kaunas fahren, um dort noch etwas Papierkram zu erledigen. Am Montag heißt es dann zum letzten Mal: Guten Morgen, Litauen!


Und falls wir uns nicht mehr sehen sollten: Guten Tag, guten Abend und gute Nacht!