Freitag, 16. November 2012

Woche 35 bis 37

Zu Allerheiligen (1.11.) waren wir auf den Friedhöfen der Umgebung und beobachteten das alljährliche Ritual, bei dem auf den Gräbern Kerzen aufgestellt werden.


Eine Woche später buk ich einen Kuchen mit den Schülerinnen der 10. Klasse des Gymnasiums Plateliai. Das Rezept stammt von meinem Großvater, damit wollte ich sicherstellen, daß es ein typisch deutsches Rezept ist: Ein Streuselkuchen mit Aprikosenmarmeladenfüllung. Streuselkuchen wurde einst in Schlesien erfunden. Und tatsächlich ist er hier bisher nicht bekannt.

Posieren mit Kuchen

Kuchen mit von Schülern selbstgebastelter Miniflagge

Am Morgen des neunten November konnten die Schüler dann den Kuchen kosten. Außerdem mußten sie mit mir ein deutsches Lied singen, was ihnen sichtlich Spaß machte.

Ich sang vor, dann sie stiegen sie ein.

Am Abend erzählte ich dann in einer Veranstaltung mit dem Namen Lapkričio devintoji (Neunter November) anläßlich des historischen Datums den geneigten Bürgern des Ortes etwas über deutsche Geschichte, gab einen Überblick über unterschiedliche Kleidung, Feste und Spezialitäten aus den Regionen Deutschlands und zeigte schließlich eine Diaschau über das Architektur- und Naturerbe Deutschlands. Neben dem Kuchen konnten sie auch Spekulatiuskekse probieren, die mir meine neuen deutschen Freunde aus Šiauliai mitbrachten. Es sind zwei Studentinnen, die hier ein Erasmussemester verbringen.
Die Reaktionen auf den Abend waren überaus positiv. Eine Dame kam auf ich zu und meinte auf deutsch, sie sei „sehr glücklich“. Sie rief dann ihren deutschen Freund an, und ich sollte ihm mitteilen was ich mache. Sie war früher mal Dolmetscherin, aber offenbar haben ihre Deutschkenntnisse stark nachgelassen. Ein anderer gab mir zu verstehen, daß er einiges meines auf deutsch gehaltenen Vortrages verstanden hatte. Selbstverständlich hatte ich meine Präsentation mit einem litauischen Text hinterlegt, so daß keine Verständnisprobleme herrschten.

Und diese Woche war ich noch in Žagarė bei Pierre (Freiwilliger aus Brest/Frankreich) zu Besuch. Die Stadt ist außergewöhnlich schön, und die Regionalparkverwaltung befindet sich in einem kleinen Schloß. Außerdem gibt es ein in Litauen einzigartiges Haus, das über und über mit Behältern bedeckt ist und für das Žagarė berühmt ist.

Das berühmte Haus

Schloß

Ladenschild

Und auch der Park ist schön.

Zwischendurch waren wir noch in Lettland, an das Žagarė unmittelbar angrenzt. Sofort fiel die unterirdische Straßenqualität im Nachbarland auf. Ansonsten war es ähnlich.

Zu guter Letzt war ich in Šiauliai bei den Erasmus-Studentinnen zu Besuch, wo wir den neuen James-Bond-Film im Kino sahen. Ich halte ihn für sehr gelungen. Ich war froh, daß der Film nicht auf litauische Weise synchronisiert war (d.h., ein precher spricht alle Texte, im Hintergrund hört man die Origialversion), sondern lediglich Untertitel eingeblendet wurden. Allerdings werde ich mich an die Neigung, alles zu litauisieren, auch nicht mehr gewöhnen („Bondas – Džeimsas Bondas!“).

Wörter zum Mitlernen:

Vokietija: Deutschland
devintasis/dvintoji (m/f): der/die neunte (als Teil eines Begriffes)
parduotuvė: Laden

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