Donnerstag, 4. Oktober 2012

Woche 29 und 30

Letzte Woche war ich mit Militärangehörigen aus aller Welt in der Raketenbasis. Das wußte ich vorher allerdings nicht, es war nur von „Gästen des Verteidigungsministeriums“ die Rede. Spontan überlegt ich, inwiefern ich meinen Vortrag dieser Zielgruppe anpassen könnte, beschloß dann aber, alles so zu lassen wie immer. Von dem Raum, in dem Propaganda des Kalten Krieges ausgestellt ist, waren alle besonders angetan. Ein chinesischer Soldat studierte amüsiert alte chinesische Propagandaplakate und machte dann mit seinem Smartphone ein paar Aufnahmen. Nach der Tour fragte mich ein finnischer Uniformierter, ob hier wirklich keine einzige Rakete abgeschossen worden sei. Ich antwortete, da sei ich mir ganz sicher, davon hätten auch alle Menschen etwas erfahren, woraufhin er meinte, das sei ja schade. Ich vermute, er wollte damit sagen, daß damit wenigstens die Baukosten der Basis gerechtfertigt gewesen wären. Sein ukrainischer Kollege wiederum meinte, es sei unglaublich, daß die Sowjets diese tolle Basis hätten aufgeben müssen, nur weil sie von der Luftaufklärung der USA entdeckt worden sei. Somit sei sie völlig nutzlos gewesen. „That's true, it was completely useless!“, entgegnete ich. Mehr Infos zur Raketenbasis stehen in Woche 5.

Hier war eine der R-12/SS-4-Raketen stationiert.


Ich weiß, ich habe erst letztes Mal ein Grashüpferfoto veröffentlicht, aber dieser hier ist mir im Museum über den Weg gelaufen und war auch noch so gut ausgeleuchtet. Er ist allerdings höchstens der kleine Bruder (oder die kleine Schwester) des ersten Exemplars.

Grashüpfer/-in

Der Herbst ist da und zaubert das Städtele wieder mal in ein neues Gewand, seht selbst.


Das Wochenende haben wir in Dzūkija verbracht. Doch zunächst waren wir auf dem Weg dahin im Regionalpark Rambynas an der Memel sowie auf einigen Burghügeln (Piliakalniai) der Žemaiten.

Memel (lit. Nemunas, russ. Neman), im Hintergrund Sovetsk (dt. Tilsit, lit. Tilzė)

Der Nationalpark Dzūkija zeichnet sich dadurch aus, daß es hier bewaldete Dünen gibt, obwohl er nicht an der See liegt, ein Produkt der Eiszeit. Dies hat den Effekt, daß es im Sommer wärmer wird, wenn man in den Wald geht. Außerdem gibt es einen riesigen Sumpf (über 5000 ha groß) im Reservat Čepkeliai. Wir übernachteten in einem alten Haus mit Holzdach.

Altes Haus

Sumpfwald

Diesmal machen wir noch mal einen Exkurs in die Welt der litauischen Sprache.
Zunächst der Vollständigkeit halber alle litauischen Wochentage. Das System dahinter hatte ich schon mal erklärt (Woche 2): Sie werden einfach durchnumeriert, beginnend mit dem Montag:

Montag: Pirmadienis („erster Tag“)
Dienstag: Antradienis („zweiter Tag“)
Mittwoch: Trečiadienis („dritter Tag“) usw.
Donnerstag: Ketvirtadienis
Freitag: Penktadienis
Sonnabend: Šeštadienis
Sonntag: Sekmadienis

Wesentlich interessanter sind die Monatsnamen. Während sie im Lettischen mit unseren Monatsnamen weitgehend übereinstimmen, hat das (ältere) Litauische eigene Bezeichnungen:
Januar: Sausis (von „sausas“, trocken, wegen des trockenen Schnees um diese Jahreszeit)
Februar: Vasaris (keine Ahnung, warum, „vasara“ heißt eigentlich „Sommer“; auch Aldona wußte nicht weiter)
März: Kovas (kovas heißt Saatkrähe, diese kommt im März aus anderen Gebieten zurück; Kovas war zudem ein alter Kriegsgott, vergleichbar wohl mit Mars bei den Römern, von dem der Name „März“ stammt.)
April: Balandis (balandis heißt Taube, das gleichnamige Sternbild ist v.a. im Winter zu sehen)
Mai: Gegužė (der Monat, in dem der Kuckuck (gegutė) aus dem Süden zurückkommt)
Juni: Birželis (der Monat, in dem die Birkensaftsaison endet (vgl. Woche 2, Woche 7/8); Birke = beržas)
Juli: Liepa (bedeutet „Linde“, die hier in diesem Monat blüht)
August: Rugpjūtis (von rugiai, Roggen und pjūtis, Erntezeit)
September: Rugsėjis (sėja heißt Saat, also Roggensaat)
Oktober: Spalis (In diesem Monat wurde früher Flachs verarbeitet, indem man ihn brach, bis er geschmeidig war; aus dem so gewonnenen Leinen konnte man Kleidung herstellen. Die bei der Herstellung abfallenden Bruchstücke hießen „spalis“, mit ihnen wurden die Häuser wärmegedämmt.)
November: Lapkritis (der Monat, in dem die Blätter (lapai) fallen (kristi))
Dezember: Gruodis (gruodas: Bodenfrost)


Den Blog betreffend habe ich etwas mitzuteilen: Ich habe das Vokabelverzeichnis erweitert, zum einen um ein Zahlenverzeichnis von 1 bis 12, zum anderen um ein deutsch-litauisches Verzeichnis. Viel Spaß bei der Lektüre! Habt ihr noch Anregungen, was aufgenommen werden sollte?

Wörter zum Mitlernen:
norėti: wollen
būti: sein
tūrėti: haben

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