Mein
letzter Eintrag endete mit einer Lüge. Dafür möchte ich mich
entschuldigen. Es gab in der darauffolgenden Woche nicht Bilder von
Kaunas zu sehen, sondern gar nichts. Auch nicht in den Wochen danach.
Das hängt damit zusammen, daß ich mich in der Zwischenzeit in
Deutschland aufhielt und davor partout keine Zeit aufbrachte (und,
ja, auch keine rechte Motivation), einen neuen Text zu schreiben. Nun
bin ich mit neuer Kraft zurück.
Die
Zeit in Berlin war schön, sehr schön sogar, aber darum soll es hier
nicht gehen. Wenn ich zurückkomme, könnte es aber sein, daß ich in
einem neuen Blog etwas über Berlin schreiben werde. Deshalb also ein
paar Worte zu Kaunas.
Kaunas
ist vom Aussehen her sehr ambivalent. Die Innenstadt ist höchst
interessant, aber nicht ohne Brüche. Die wichtigste Straße in der
Innenstadt ist wahrscheinlich die Laisvės alėja (Freiheitsallee),
eine 1,6 km lange Fußgängerzone, die am Übergang zur Altstadt in
die Vilniaus gatvė mündet, ebenfalls eine Fußgängerzone. Dort sah
ich mir mit meinem Kompagnon Vincent sowie einer ebenfalls deutschen
Freiwilligen aus Kaunas das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal an.
Vilniaus
gatvė
Wie
bei Joachim Gauck geht es in Litauen oftmals um das Thema Freiheit.
Deshalb sind allerorten Skulpturen, Monolithe und Plastiken diesem
Thema gewidmet. Auch in meinem Blog habe ich dieses Thema schon
mindestens einmal aufgegriffen. In Woche 3/4 erzählte ich von Kryžių
kalnas, dem Berg der Kreuze, der ein Symbol nicht nur religiöser
Freiheit darstellt. In Plateliai gibt es eine Stele, die daran
erinnert, und auch in Kaunas gibt es Freiheitsstatuen.
Denkmal
„für die Mutter der für die Freiheit Gestorbenen“
Ewige
Flamme für die Freiheit
Schließlich
waren Vincent und ich noch im Devintas fortas (Neuntes Fort), das
lange Zeit als Straflager diente und an dem man wiederum den
Stellenwert der Freiheit in diesem Lande ablesen kann: Im ersten
Weltkrieg, nach Jahrhunderten der russischen Fremdherrschaft, wurde
Litauen von deutschen Truppen besetzt, 1918 erklärte es dann seine
Unabhängigkeit. 1928 ergriff ein litauischer Diktator die Macht. Aus
dieser Zeit datiert die erste Hinrichtung durch Vergasung auf
litauischem Boden, die in besagtem Fort vollstreckt wurde.
Einzelzelle
1940
kamen die Sowjets und deportierten zahlreiche Menschen nach Sibirien,
wenn diese nicht in Lagern wie dem Fort festgehalten, gefoltert und
hingerichtet wurden. Ein Jahr später marschierten erneut die
Deutschen ein und vernichteten alles jüdische Leben – nach eigenen
Angaben brauchten sie die Litauer nur „anzuleiten“, die sehr
aktiv die Verfolgung der Juden betrieben.
Plastik
„Judenverfolgung“
1944
wurde Litauen dann erneut von der Sowjetunion besetzt. Eine alte
Dame, die ich vor ein paar Tagen traf, meinte, unter Hitler habe sie
deutsch gelernt, sie habe eine gute Erinnerung an diese Zeit. An die
Sowjet-Ära weniger, da große Teile ihrer Familie nach Sibirien
mußten. Der Direktor eines benachbarten Regionalparks erzählte mir
mal, er könne eher mit jemandem leben, der ein Hakenkreuz-T-Shirt
trage, als mit jemandem, auf dessen Oberkleidung die sowjetische
Flagge prange. Gleich darauf nahm er das zurück und meinte, er lehne
jede Form der Gewaltherrschaft ab, eigentlich jede Form der
Herrschaft, man müsse es mal mit Anarchie versuchen. Wir führten
ein anregendes Gespräch.
So
viel zum Thema Freiheit.
Auf
meiner Reise nach Berlin war ich noch kurz in Riga. Auch hier steht
eine riesige Freiheitsstatue, Roma erklärte mir die Bedeutung dieser
Statue für das ganze Land, das ebenfalls immer unter Fremdherrschaft
stand. Aber davon abgesehen gibt es keinerlei Vergleichsmöglichkeit
mit Kaunas, die Stadt ist einfach ein ganz anderes Kaliber. Sie ist
meines Erachtens die schönste Stadt des Baltikums, soweit ich das
bis jetzt beurteilen kann. Vieler meiner Mitfreiwilligen werden mir
in diesem Punkt vehement widersprechen, weil sie Vilnius besser
finden. Aber ist ja auch egal. Zwei Bildbelege folgen. Beim zweiten
Bild habe ich den deutschen Namen angeführt, weil das Gebäude aus
der Zeit der Besiedlung durch Deutsche entstand, im Jahre 1334.
Freiheitsstatue
(lettisch: Brīvības piemineklis)
Schwarzhäupterhaus
(Melngalvju nams)
Wörter
zum Mitlernen:
laisvė:
Freiheit
futbolas:
Fußball
atostogauti:
im Urlaub sein
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