Sonntag, 1. April 2012

Woche 3 und 4


Ich habe ja noch gar nicht gezeigt, wie ich wohne. Dies ist das Haus, in dem sich mein Zimmer befindet, und zwar im über die hölzerne Außentreppe erreichbaren oberen Geschoß.


Und so sieht mein Zimmer aus.


Vorletzten Mittwoch habe ich mal etwas Heimatbezogenes getan. radioeins forderte seine Hörer über Internet auf, ein Frühlingsgedicht zu schreiben. Als es zu euphorisch wurde, beschloß ich, mich ebenfalls zu beteiligen:
Dieses läßt mich gänzlich kalt
wegen Auslandsaufenthalt.
Frühlingsstart bei wenig Grad
ihr habt Freud und ich hab Schad'.“
Eigentlich habe ich aber nichts gegen das Wetter hier.
Donnerstag und Freitag fand ein Treffen aller Park-Freiwilligen (insgesamt 16) in der Nähe unseres Parkes statt (wer es auf der Karte mitverfolgen will: unweit Telšiai). Es war gut, zu hören, wie es den anderen geht, jetzt weiß ich, wie gut es uns hier geht. Wir brauchen zum Beispiel keine Kohlen für die Heizung zu schippen, wir haben mit Aldona eine sehr engagierte Mentorin (Edita ist auch super) und als Krönung haben wir auch noch Internet im Zimmer. Ich möchte jedenfalls nicht tauschen. 
Bei dem Treffen habe ich den hier üblichen žemaitischen Schnaps Samogon kennengelernt, der eher wie Whiskey als wie Wodka schmeckt. Vor allem zur Fastnacht ist Alkohol fest in der žemaitischen Tradition verankert: Ein žemaitischer Brauch besagt nämlich, daß, wer zu Fasching Wasser trinkt, das ganze Jahr über durstig bleibt.

Wir waren dann noch in einem Zoo, in dem heimische Tiere gezeigt werden. Die Krönung waren die Luchse, die direkt über unseren Köpfen in den Bäumen saßen und der Wolf, den Roma spontan zu streicheln beschloß.

Luchs 
Foto: Aldona Kuprelytė

Wolf
 Foto: Aldona Kuprelytė

Am letzten Sonnabend waren wir auf dem Berg der Kreuze (Kryžių kalnas) in der Nähe von Šiauliai. Alle, die sich etwas für die Zukunft wünschen, kommen hierher, stellen ein Kreuz auf und schreiben ihren Wunsch auf. Auch Institutionen stellen hier Kreuze auf, z.B. ein litauischer Automobilverband und – mit einem der größten Kreuze – die litauische Polizei.

Vor dem Kreuz-Berg: Neben Roma noch zwei andere Freiwillige, Pierre und Mathilde aus Frankreich
 
Foto: Aldona Kuprelytė
Den Hügel gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Er war nicht allein eine religiöse Stätte, sondern auch Symbol gegen die russischen Besatzer, die die litauische Sprache und den Katholizismus zu unterbinden versuchten. 

 
Gute Nachrichten von meiner Kamera: Sie funktioniert noch! Habe ich ein Glück, immerhin befand sie sich komplett unter Wasser! Ab dem nächsten Mal gibt es dann wieder selbstgeschossene Fotos.

Am letzten Mittwoch war ich beim Tanz des lokalen Folklorevereins. Meine Kollegin Aušra hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Nachdem ich ja nun eigentlich schon ab und zu etwas verstehe, wenn Leute reden, wurde ich hier ernüchtert. Es wurde offenbar ausschließlich žemaitisch gesprochen und gesungen (zum Glück gab es ein Liedblatt). Die Instruktionen zum Tanzen waren demzufolge für mich nicht verständlich, ich mußte abgucken, was die anderen machten. Meines Erachtens war ich eher eine Last als alles anderes, aber Aušra betonte immer wieder, ich könne gern wiederkommen. Ich werde also demnächst auf einer žemaitischen Hochzeit Volkstänze tanzen.

Wörter zum Mitlernen:

Kiek Jums metu?: Wie alt sind Sie? (wörtl. Wieviel Ihnen Jahre?)
kalnas: Berg
vilkas: Wolf

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