Ich
habe ja noch gar nicht gezeigt, wie ich wohne. Dies ist das Haus, in
dem sich mein Zimmer befindet, und zwar im über die hölzerne
Außentreppe erreichbaren oberen Geschoß.
Und so
sieht mein Zimmer aus.
Vorletzten
Mittwoch habe ich mal etwas Heimatbezogenes getan. radioeins forderte
seine Hörer über Internet auf, ein Frühlingsgedicht zu schreiben.
Als es zu euphorisch wurde, beschloß ich, mich ebenfalls zu
beteiligen:
„Dieses
läßt mich gänzlich kalt
wegen Auslandsaufenthalt.
Frühlingsstart bei wenig Grad
ihr habt Freud und ich hab Schad'.“
wegen Auslandsaufenthalt.
Frühlingsstart bei wenig Grad
ihr habt Freud und ich hab Schad'.“
Eigentlich
habe ich aber nichts gegen das Wetter hier.
Donnerstag
und Freitag fand ein Treffen aller Park-Freiwilligen (insgesamt 16)
in der Nähe unseres Parkes statt (wer es auf der Karte mitverfolgen
will: unweit Telšiai). Es war gut, zu
hören, wie es den anderen geht, jetzt weiß ich, wie gut es uns hier
geht. Wir brauchen zum Beispiel keine Kohlen für die Heizung zu
schippen, wir haben mit Aldona eine sehr
engagierte Mentorin (Edita ist auch super)
und als Krönung haben wir auch noch Internet im Zimmer. Ich möchte
jedenfalls nicht tauschen.
Bei dem Treffen habe ich den hier üblichen
žemaitischen Schnaps Samogon kennengelernt, der eher wie Whiskey als
wie Wodka schmeckt. Vor allem zur Fastnacht ist Alkohol fest in der
žemaitischen Tradition verankert: Ein žemaitischer Brauch besagt
nämlich, daß, wer zu Fasching Wasser trinkt, das ganze Jahr über
durstig bleibt.
Wir
waren dann noch in einem Zoo, in dem heimische Tiere gezeigt
werden. Die Krönung waren die Luchse, die direkt über unseren
Köpfen in den Bäumen saßen und der Wolf, den Roma spontan
zu streicheln beschloß.
Luchs
Foto: Aldona Kuprelytė
Wolf
Foto: Aldona Kuprelytė
Am
letzten Sonnabend waren wir auf dem Berg der Kreuze (Kryžių kalnas) in der Nähe von
Šiauliai. Alle, die sich etwas für die Zukunft wünschen, kommen
hierher, stellen ein Kreuz auf und schreiben ihren Wunsch auf. Auch
Institutionen stellen hier Kreuze auf, z.B. ein litauischer
Automobilverband und – mit einem der größten Kreuze – die
litauische Polizei.
Vor dem Kreuz-Berg: Neben Roma noch zwei andere Freiwillige, Pierre und Mathilde aus Frankreich
Foto: Aldona Kuprelytė
Den
Hügel gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Er war nicht allein eine
religiöse Stätte, sondern auch Symbol gegen die russischen
Besatzer, die die litauische Sprache und den Katholizismus zu
unterbinden versuchten.
Gute
Nachrichten von meiner Kamera: Sie funktioniert noch! Habe ich ein
Glück, immerhin befand sie sich komplett unter Wasser! Ab dem nächsten Mal gibt es dann wieder selbstgeschossene
Fotos.
Am
letzten Mittwoch war ich beim Tanz des lokalen Folklorevereins. Meine
Kollegin Aušra hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Nachdem
ich ja nun eigentlich schon ab und zu etwas verstehe, wenn Leute
reden, wurde ich hier ernüchtert. Es wurde offenbar ausschließlich
žemaitisch gesprochen und gesungen (zum Glück gab es ein
Liedblatt). Die Instruktionen zum Tanzen waren demzufolge für mich
nicht verständlich, ich mußte abgucken, was die anderen machten.
Meines Erachtens war ich eher eine Last als alles anderes, aber Aušra
betonte immer wieder, ich könne gern wiederkommen. Ich werde also
demnächst auf einer žemaitischen Hochzeit Volkstänze tanzen.
Wörter zum Mitlernen:
Kiek Jums metu?: Wie alt sind Sie? (wörtl. Wieviel Ihnen Jahre?)
kalnas: Berg
vilkas: Wolf
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