Donnerstag, 19. April 2012

Woche 6

Wieder eine Woche um. Diesmal war ich bei einem Seminar, das alle Freiwilligen bald nach ihrer Ankunft besuchen müssen. Dort traf ich auf die Freiwilligen aus den anderen Parks. Es wurde moniert, daß es wenig zu tun gebe und daß einem ständig Alkohol aufgedrängt werde, sogar während der Arbeitszeit. Wir erfuhren etwas darüber, wie der Litauer tickt und wie wir Probleme angehen können. Dabei stellten sich besonders zwei Punkte als interessant aus: Es wird angeblich nicht gern gesehen (bzw. ist unüblich), wenn Dinge hinterfragt werden, das soll Unzufriedenheit symbolisieren. Ich habe in meinem Park tatsächlich bereits eine gewisse Abneigung gegen Diskussionen bemerkt. Das andere ist die Erklärung für die Liebe der Litauer zum Basketball: In dieser Disziplin waren sie nämlich den Russen überlegen. Jedes Spiel gegen ein russisches Team war ein bißchen wie Partisanenkampf. Gleichfalls sinnvoll war vielen das Lernen litauischer Schimpfwörter.
Der Ort, in dem das Seminar stattfand, war schwer zu erreichen, aber umso schöner, vier Busstunden entfernt. Für mich besonders beeindruckend hier in Litauen ist der Sternenhimmel, so etwas bekommt man in Berlin ja nicht zu sehen. Er leuchtete dort besonders eindrucksvoll.

Der Sternenhimmel über Daugirdiškės
 

Es waren sehr schöne Tage: das erste Lagerfeuer des Jahres, Saunaabend und vor allem endlich mal wieder Gleichaltrige. Wir beschlossen spontan, alle im Anschluß an das Seminar nach Vilnius zu fahren. Das Gefühl, wieder in einer Stadt zu sein, war schier unglaublich. Und dann auch noch in so einer schönen. Seht selbst.

Fußgängerzone
 
 
Zentraler Platz

Kathedrale Sankt Stanislaus

Wenn man Freiwilliger ist, kann man ohne große Probleme bei anderen Freiwilligen übernachten. Das ist definitiv eine der besten Seiten des EFD. Nicht nur, daß ich so kostengünstig das ganze Land bereisen kann, ich kann mich auch auf einen Gegenbesuch freuen, da Gleichaltrige wie gesagt rar gesät sind.

Eine der Sehenswürdigkeiten Vilnius' ist die Künstlerkolonie Užupis, die sich selbst als Republik bezeichnet, sogar mit eigener Verfassung.


Und hier ein Foto von mir mit Menschen, damit ihr wißt, wie ich gerade aussehe.

 

Zurück hier ist mir erst mal die Decke auf den Kopf gefallen, ich habe die Gegenwart der anderen schon sehr genossen. Ich werde jetzt wohl mehr herumreisen, als ich bisher vorhatte, allerdings ist der ÖPNV hier sehr lahm. Tja, geht nicht anders.
Gestern habe ich ein lustiges Wort kennengelernt, bzw. eigentlich wußte ich schon in Deutschland, daß es das geben muß, aber jetzt weiß ich es sicher. „voveraitė“ heißt entweder Eichhörnchen oder Pfifferling. Das ist jetzt nur für Berliner witzig.
Heute schließlich haben wir (endlich) unsere Präsentationen vor Gymnasiasten gehalten, einmal vor größeren (12. Klasse) und dann vor kleineren (7. Klasse). Entgegen meiner Vermutung stellten viele Fragen, gerade auch die Siebtkläßler, es war wirklich nett. Einige gerade der Älteren wollen sich mit uns treffen, um Englisch mit uns zu sprechen. Als ich etwas auf deutsch sagen sollte, deklamierte ich das Gedicht „Verkehrte Welt“ von Christian Morgenstern. Die Lehrerin meinte, es habe sich sehr weise angehört. Dann habe ich mich noch der Musiklehrerin vorgestellt, um ihr mein Projekt eines Barbershop-Ensembles vorzustellen. Wie jeder Mensch vor ihr konnte sie mit dem Wort Barbershop nichts anfangen, ist aber grundsätzlich offen für Neues. Es wird hier noch sehr spannend werden, glaube ich!

Wörter zum Mitlernen:
Laba diena!: Guten Tag!
mokykla: Schule
voveraitė: Eichhörnchen/Pfifferling