Interessant
wurde die letzte Woche am Freitag, als Aldona, ich und drei Künstler
nach Plungė zur Ausstellung fuhren. Die Kuratorin begrüßte mich
mit ein paar Brocken Deutsch. Die
Ausstellenden sind Künstler aus der Region.
Heiliger
mit Hund
Auf žemaitische Art und Weise bemalte Eier
Nach
einer Weile hatte ich alles gesehen, der Raum leerte sich. Die
Kuratorin namens Zafyra kam freundlich lächelnd auf mich zu und befahl: „Bitte
trinken Schnaps!“ Sie führte mich in einen Raum im Keller des
Gebäudes, der voll mit Webstühlen stand. Dort war bereits ein
kleines Büfett aufgebaut. Zunächst schenkte sie mir „Baum-Saft“
ein (was auch immer das ist, enthielt aber meiner sensorischen
Analyse zufolge keinen Alkohol). Dann gab es Wodka. Der Raum füllte
sich, und Zafyra sprach mit den Leuten abwechselnd auf deutsch,
litauisch und englisch, während sie großzügig
nachfüllte. Mir gegenüber saß einer der Künstler der Ausstellung,
der mir sichtlich mitgenommen von Getränken verworrene
Ratschläge auf englisch gab.
Wir
fuhren zurück nach Plateliai, eine der Künstlerinnen bat uns zu
sich in ihr Haus. Sie wohnt sehr schön an den Sümpfen am Rande des
Städtchens; bei unserer Ankunft war es noch hell und es lag Nebel
über den Sümpfen.
Ihr
Haus ist sehr gemütlich. Neben allerlei Skulpturen, die sie selbst
gemacht hat, hat sie sehr große Fenster, die zum Sumpf zeigen. Das
Dachgeschoß ist ausgebaut und hat keine Wände. Großartig. Bei
Kuchen und Wein kamen wir über mich ins Gespräch (sie spricht
ziemlich gut deutsch) und alle waren begeistert von meinen
Fremdsprachenkenntnissen. Sie lud mich ein, jederzeit wiederzukommen,
ein Angebot, das ich garantiert nicht ausschlagen werde.
Blick ins Wohnzimmer, im Hintergrund der Sumpf
Die
Tage zuvor herrschte Alltagsgeschäft. Ich sollte einen Text über
den Freiwilligendienst und meine Motivation schreiben und einen über
meinen ersten Eindruck. Außerdem bereitete ich einen Vortrag über
Deutschland vor, den ich heute gehalten habe. Dabei fragte ich mich
laufend, was es wert sei, in einem 15minütigen Vortrag erwähnt zu
werden.
Alle
bestätigen mir sprachliche Fortschritte. Seit letzter Woche habe ich
dienstags und donnerstags Sprachkurs, wie gesagt bei einer nicht
englischsprachigen Lehrerin. Und das geht so: Die Lehrerin, Irena,
bereitet ein Blatt vor, auf dem links litauische Wörter und Sätze
stehen und rechts die deutsche Übersetzung. Sie liest vor, ich
spreche nach. Dann das gleiche umgekehrt auf deutsch, woran sie
offensichtlich sehr interessiert ist. Tatsächlich verstehe ich auch
immer öfter einzelne Wörter, wenn andere sich unterhalten.
Die
litauische Sprache ist eine ganz besondere Sprache: Sprachforscher
lernen sie, wenn sie den Zusammenhang der europäischen Sprachen mit
Sanskrit erforschen wollen, weil Litauisch dem Sanskrit
verhältnismäßig ähnlich ist. Teilweise ist die Sprache recht
leicht. Zum Beispiel heißt Man reikia... wörtlich Mir
nötig... und kann genutzt werden, wenn man etwas braucht (Man
reikia pinigų – ich brauche Geld) oder wenn man etwas muß (man
reikia eiti – ich muß gehen). Oft sind Prädikate unnötig: Mano
vardas Aaron heißt Mein Name Aaron, fertig aus. Übrigens
werde ich hier Aaronas genannt, um den Namen litauischer klingen zu
lassen. Dafür gibt es z.B. für das Wort eins drei
Übersetzungen, je nachdem, ob das gezählte Objekt männlich
(vienas), weiblich (viena) oder nur in der Mehrzahl vorhanden ist
(vieneri). Zählen ist generell nicht ohne, hier ein Beispiel:
- eine Minute: viena minutė
- zwei Minuten: dvi minutės
- zehn Minuten: desimt minučiu
Alles
klar?
Die
litauische Sprache ist übrigens sehr pragmatisch. Die Wochentage
heißen pirmadienis, antradienis (erster Tag, zweiter Tag, …),
Himmelfahrt und Pfingsten heißen „sechste Woche“ bzw. „siebente
Woche“ (nach Ostern).
Es folgen ein
paar Bilder vom Sonnabend, an dem ich mit meiner Mitbewohnerin Roma durch die nähere Umgebung streifte. Es war mal wieder Nebel, was dem Fotografieren aber keinen Abbruch tat.
Der See sah im Nebel aus wie ein Meer bei Windstille.
Am Montag dieser Woche ging ich mit einem Biologen in den Wald in die Kernzone, um dort Bilder zu machen. Er fotografiert auch gern, und ich erhoffte mir von ihm ein paar Tips. Als wir an einen Bach gelangten, dessen Wasser vom Hochmoor gespeist wird und eine rötliche Färbung hat, geschah die Katastrophe. Ich rutschte aus und die Kamera fiel ins Wasser! Die nächsten Tage werden zeigen, ob ich sie weiternutzen werde können. Zunächst muß die Flüssigkeit aus dem Gerät gelangen, dann wird sie repariert.
Gestern
war Earth Day. Im Gymnasium fand ein Wettbewerb statt, bei dem das
schönste Vogelhaus prämiert wurde. Die Schüler veranstalteten
einen Marsch durch das Dorf und schenkten der Nationalparkverwaltung
selbstgebastelte Windräder. Infolge meiner Kamerainsuffizienz mußte
ich auf Bilder meiner Kollegin Marija zurückgreifen.
Das mit Abstand coolste Vogelhaus
Das mit Abstand coolste Vogelhaus
Foto: Marija Jankauskienė
Einige Mitarbeiter der Verwaltung des Nationalparks. Ganz rechts ist Roma, links hinter dem großen orangefarbenen Windrad meine Mentorin Edita, ganz links Marija.

Foto: Marija Jankauskienė
Heute schließlich war ich im Kalter-Krieg-Museum: Mitten im Wald befindet sich eine ehemalige Raketenabschußbasis der sowjetischen Streitkräfte. Bilder folgen bei meinem nächsten Besuch, dann auch mit detaillierteren Informationen. Außerdem habe ich heute meinen Vortrag über Deutschland gehalten, der allgemein gefallen hat.
Einige Mitarbeiter der Verwaltung des Nationalparks. Ganz rechts ist Roma, links hinter dem großen orangefarbenen Windrad meine Mentorin Edita, ganz links Marija.
Foto: Marija Jankauskienė
Heute schließlich war ich im Kalter-Krieg-Museum: Mitten im Wald befindet sich eine ehemalige Raketenabschußbasis der sowjetischen Streitkräfte. Bilder folgen bei meinem nächsten Besuch, dann auch mit detaillierteren Informationen. Außerdem habe ich heute meinen Vortrag über Deutschland gehalten, der allgemein gefallen hat.
Meiner
Kamera geht es auch schon wieder besser, Aldona war so liebenswürdig,
sie nach Klaipėda mitzunehmen zur Reparatur – sie ist so eine gute
Seele! – genaueres werde ich aber erst nächste Woche wissen.
Bis
dann!
Wörter
zum Mitlernen:
Malonų
susipažinti: Schön, sie kennenzulernen
Man
reikia...: Ich brauche.../Ich muß...
Ką
reiškia... ?: Was bedeutet...P.S.: Nun weiß ich, was Baumsaft ist. Die Leute zapfen Flüssigkeit aus dem Baum und trinken sie, auch hier in meiner Nachbarschaft. Kannte ich bisher nicht. Wieder was gelernt.
Es ist sehr interessant zu sehen, wie Sie leben und was Sie machen, Roma und dich. Viel glück, und bis bald !
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