Heute
ist mein achter Tag
in Litauen. Ich befinde mich in der Kleinststadt Plateliai
mitten im Nationalpark Žemaitija.
Neun Monate lang werde ich hier sein. In meiner Bewerbung für den
Europäischen Freiwilligendienst (EFD) steht, daß ich nach zwanzig
Jahren Kopfarbeit gern mal etwas mit meinen Händen tun würde. Ich
bin mit der Vorstellung hergereist, in meiner Arbeit durch hüfthohen
Schlamm zu waten und mit dem Fernglas 12 Stunden lang im Baum zu
hocken. Eine gnadenlos romantische Vorstellung. Auch hier gibt es
Büros. Doch beginnen wir am Anfang.
Am
5. März 2012 flog ich von Berlin nach Kaunas. In dieser Stadt, der
zweitgrößten Litauens, hat die Organisation ihren Sitz, die im
Laufe meines Freiwilligendienstes u.a. dafür zuständig ist, daß
ich ein Dach über dem Kopf habe. Wir wurden in die wichtigsten
Überlebensregeln eingewiesen und dann zum Busbahnhof gebracht.
Insgesamt nehmen 16 Personen an dem Projekt teil, die jeweils zu
zweit an acht verschiedenen Orten in einem National- oder
Regionalpark arbeiten. Meine Mitfreiwillige heißt Roma und kommt aus
Lettland.
Wir
wurden in der nächstgrößeren Stadt Plungė
von einer Mitarbeiterin des Nationalparks, Aldona,
abgeholt. Aldona spricht leider kein
Englisch. Als Gesprächspartner war ich folglich außen vor. Zu
meinem Glück versteht Roma den hiesigen Dialekt einigermaßen, weil
er dem Lettischen ähnlich ist.
Meine
neue Heimat Plateliai ist eine Stadt in
Žemaitija, auf deutsch Niederlitauen (žemas
= niedrig). Damit wohne ich direkt östlich von der Grenze des
historischen Preußen. In ca.
50 km Entfernung liegt die Stadt Klaipėda,
früher bekannt unter dem Namen Memel.
Wir
wohnen in einem Haus an der Ežero gatvė
(Seestr.). Jeder hat ein eigenes Zimmer, ich habe Roma das schönere
überlassen, da ich mit Hinblick auf erwarteten Besuch lieber das
Zimmer mit zwei Betten gewählt habe. Unsere Vermieter sind sehr
nett. Leider sprechen sie kein Englisch, aber ich möchte ja sowieso
litauisch lernen, bald werden wir uns also gut verstehen.
Am
Mittwoch waren wir dann das erste Mal in der Nationalpark-Verwaltung.
Leider sprach hier niemand englisch, aber wie gesagt... Bis ich
litauisch sprechen kann, muß Roma als Dolmetscherin herhalten. Ab
dieser Woche haben wir zweimal die Woche Sprachunterricht. Leider
spricht die Lehrerin kein Englisch.
Inzwischen
hat sich in der Nationalpark-Verwaltung doch jemand gefunden, der ganz passabel englisch spricht:
Edita wird meine Ansprechpartnerin für Sorgen und Nöte sein. Meine
Aufgaben, soweit ich das bis jetzt abschätzen kann, werden sehr
unterschiedlich sein: Ich werde alle Publikationen und die
Internetpräsenz sprachlich überarbeiten
(http://www.zemaitijosnp.lt/de/),
für eben jene auch Bilder machen, im Sommer werde ich Touristen auf
deutsch und englisch durch den Park führen und ich werde in Schulen
und in öffentlichen Gebäuden zu einem interessierten Publikum über
Deutschland sprechen. Also doch eher nicht so ganz als Ranger
arbeiten. Zum Glück habe ich allerdings vor dem Antritt
meines Dienstes keine eindeutige Präferenz für eines der
Aufgabengebiete geäußert. Roma hat Kultur studiert (ja, genau so
hieß ihr Studiengang) und von Anfang an ihr Interesse für „Kultur“
geäußert, jetzt scheint es, als werde sie vorrangig im Heimatmuseum arbeiten. Ich habe
ein breiteres Aufgabenfeld, und immerhin werde ich draußen in der Wildnis Fotos für Broschüren machen
können. Wenn das nichts ist. Hier im Park gibt es viele Tiere, u.a.
Luchse, Wölfe, Elche, Seeadler und Fischadler. Bilder folgen.
Außerdem
gibt es in den Wäldern ein ehemaliges Raketensilo, in dem die
sowjetischen Streitkräfte Atomraketen lagerten. Heute ist dort ein
Museum. Auch hier werde ich wohl an Führungen teilnehmen. Und wenn ich Lust habe, etwas
anderes zu machen, ist das auch kein Problem. Schauen wir einfach
mal,
was es sonst noch zu entdecken gibt.
Die Stadt Plateliai hat nur 1200 Einwohner, aber sie verfügt über eine Post, zwei Supermärkte, ein Kleidungsgeschäft, eine Ambulanz und ein Gymnasium mit 300 Schülern. Ich habe bereits angeboten, mit einigen von ihnen englisch zu sprechen oder ihnen ein bißchen Deutsch beizubringen im Austausch gegen Litauisch.
An
meinem ersten Wochenende habe ich mir bereits einen groben Überblick
wenigstens über Plateliai verschafft:
Das erste, was mir hier auffiel, war ein riesiger Vollmond. Eines Abends bestand die Gelegenheit, diesen über dem See zu fotografieren. Ich hatte aber keine Lust, rauszugehen, wollte das Foto einen Tag später machen. Da war aber Nebel. Also hier nur ein Mondbild.

Das erste, was mir hier auffiel, war ein riesiger Vollmond. Eines Abends bestand die Gelegenheit, diesen über dem See zu fotografieren. Ich hatte aber keine Lust, rauszugehen, wollte das Foto einen Tag später machen. Da war aber Nebel. Also hier nur ein Mondbild.
Der Plateliai-See ist zwei mal sieben Kilometer groß und bis zu 40 m tief. Bei meiner Ankunft war er noch vereist.
Heute
zeigt das Eis überall deutliche Schadstellen; das hindert aber diese
Fischer nicht, seelenruhig darauf zu spazieren und Löcher
hineinzubohren.

In der Stadt, die mir eher wie ein Dorf vorkommt, herrschen zwei Architekturtypen vor: Das alte Holzhaus, das mich sehr an Astrid-Lindgren-Verfilmungen erinnert,
und
der neuere Typus aus unverputzten Ziegelsteinen.

Dies ist das Rathaus mit Post.
Das
war es erst mal für den Moment. Ich habe vor, jede Woche etwas zu
schreiben. Dann werde ich schon mehr wissen.
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Abschließend noch eine Auswahl litauischer Wörter zum Mitlernen:
Abschließend noch eine Auswahl litauischer Wörter zum Mitlernen:
ežeras:
See
gatvė:
Straße (mit Gebäuden am Straßenrand, sonst: kelias)
žemas:
niedrig (Žemaitija =„Niederlitauen“)
Also, das finde ich alles überaus interessant und ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge...
AntwortenLöschenDie Bilder sind übrigens sehr schön und ich denke es wird eine spannende Zeit
Na das hört sich doch wunderbar an. Das mit dem Englisch sprechen wird noch werden bzw. mit dem Litauisch sprechen. Die Bilder sind wunderschön und ich bin gespannt auf mehr
AntwortenLöschenZum Glück hast Du die Hintergrundfarbe Deines Berichtes in Blau geändert, jetzt konnte ich ihn auch endlich lesen. Mit dem Rot hat es meine Augen erstochen....
AntwortenLöschenDie Bilder erinnern mich sehr an Island, gibt wohl Ähnlichkeiten zwischen den nördlichen Ländern... manch einer mag ja lieber den Süden, aber ich liebe diese Landschaft...
Viele liebe Grüße, coole Leute, tolle Eindrücke wünscht Dir Anne