Dienstag, 13. März 2012

Woche 1

Heute ist mein achter Tag in Litauen. Ich befinde mich in der Kleinststadt Plateliai mitten im Nationalpark Žemaitija. Neun Monate lang werde ich hier sein. In meiner Bewerbung für den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) steht, daß ich nach zwanzig Jahren Kopfarbeit gern mal etwas mit meinen Händen tun würde. Ich bin mit der Vorstellung hergereist, in meiner Arbeit durch hüfthohen Schlamm zu waten und mit dem Fernglas 12 Stunden lang im Baum zu hocken. Eine gnadenlos romantische Vorstellung. Auch hier gibt es Büros. Doch beginnen wir am Anfang.
Am 5. März 2012 flog ich von Berlin nach Kaunas. In dieser Stadt, der zweitgrößten Litauens, hat die Organisation ihren Sitz, die im Laufe meines Freiwilligendienstes u.a. dafür zuständig ist, daß ich ein Dach über dem Kopf habe. Wir wurden in die wichtigsten Überlebensregeln eingewiesen und dann zum Busbahnhof gebracht. Insgesamt nehmen 16 Personen an dem Projekt teil, die jeweils zu zweit an acht verschiedenen Orten in einem National- oder Regionalpark arbeiten. Meine Mitfreiwillige heißt Roma und kommt aus Lettland.
Wir wurden in der nächstgrößeren Stadt Plungė von einer Mitarbeiterin des Nationalparks, Aldona, abgeholt. Aldona spricht leider kein Englisch. Als Gesprächspartner war ich folglich außen vor. Zu meinem Glück versteht Roma den hiesigen Dialekt einigermaßen, weil er dem Lettischen ähnlich ist.
Meine neue Heimat Plateliai ist eine Stadt in Žemaitija, auf deutsch Niederlitauen (žemas = niedrig). Damit wohne ich direkt östlich von der Grenze des historischen Preußen. In ca. 50 km Entfernung liegt die Stadt Klaipėda, früher bekannt unter dem Namen Memel.
Wir wohnen in einem Haus an der Ežero gatvė (Seestr.). Jeder hat ein eigenes Zimmer, ich habe Roma das schönere überlassen, da ich mit Hinblick auf erwarteten Besuch lieber das Zimmer mit zwei Betten gewählt habe. Unsere Vermieter sind sehr nett. Leider sprechen sie kein Englisch, aber ich möchte ja sowieso litauisch lernen, bald werden wir uns also gut verstehen.
Am Mittwoch waren wir dann das erste Mal in der Nationalpark-Verwaltung. Leider sprach hier niemand englisch, aber wie gesagt... Bis ich litauisch sprechen kann, muß Roma als Dolmetscherin herhalten. Ab dieser Woche haben wir zweimal die Woche Sprachunterricht. Leider spricht die Lehrerin kein Englisch.
Inzwischen hat sich in der Nationalpark-Verwaltung doch jemand gefunden, der ganz passabel englisch spricht: Edita wird meine Ansprechpartnerin für Sorgen und Nöte sein. Meine Aufgaben, soweit ich das bis jetzt abschätzen kann, werden sehr unterschiedlich sein: Ich werde alle Publikationen und die Internetpräsenz sprachlich überarbeiten (http://www.zemaitijosnp.lt/de/), für eben jene auch Bilder machen, im Sommer werde ich Touristen auf deutsch und englisch durch den Park führen und ich werde in Schulen und in öffentlichen Gebäuden zu einem interessierten Publikum über Deutschland sprechen. Also doch eher nicht so ganz als Ranger arbeiten. Zum Glück habe ich allerdings vor dem Antritt meines Dienstes keine eindeutige Präferenz für eines der Aufgabengebiete geäußert. Roma hat Kultur studiert (ja, genau so hieß ihr Studiengang) und von Anfang an ihr Interesse für „Kultur“ geäußert, jetzt scheint es, als werde sie vorrangig im Heimatmuseum arbeiten. Ich habe ein breiteres Aufgabenfeld, und immerhin werde ich draußen in der Wildnis Fotos für Broschüren machen können. Wenn das nichts ist. Hier im Park gibt es viele Tiere, u.a. Luchse, Wölfe, Elche, Seeadler und Fischadler. Bilder folgen.
Außerdem gibt es in den Wäldern ein ehemaliges Raketensilo, in dem die sowjetischen Streitkräfte Atomraketen lagerten. Heute ist dort ein Museum. Auch hier werde ich wohl an Führungen teilnehmen. Und wenn ich Lust habe, etwas anderes zu machen, ist das auch kein Problem. Schauen wir einfach mal, was es sonst noch zu entdecken gibt.

Die Stadt Plateliai hat nur 1200 Einwohner, aber sie verfügt über eine Post, zwei Supermärkte, ein Kleidungsgeschäft, eine Ambulanz und ein Gymnasium mit 300 Schülern. Ich habe bereits angeboten, mit einigen von ihnen englisch zu sprechen oder ihnen ein bißchen Deutsch beizubringen im Austausch gegen Litauisch.
An meinem ersten Wochenende habe ich mir bereits einen groben Überblick wenigstens über Plateliai verschafft:
Das erste, was mir hier auffiel, war ein riesiger Vollmond. Eines Abends bestand die Gelegenheit, diesen über dem See zu fotografieren. Ich hatte aber keine Lust, rauszugehen, wollte das Foto einen Tag später machen. Da war aber Nebel. Also hier nur ein Mondbild.


Der Plateliai-See ist zwei mal sieben Kilometer groß und bis zu 40 m tief. Bei meiner Ankunft war er noch vereist.



Heute zeigt das Eis überall deutliche Schadstellen; das hindert aber diese Fischer nicht, seelenruhig darauf zu spazieren und Löcher hineinzubohren.

 

In der Stadt, die mir eher wie ein Dorf vorkommt, herrschen zwei Architekturtypen vor: Das alte Holzhaus, das mich sehr an Astrid-Lindgren-Verfilmungen erinnert, 

 
 
und der neuere Typus aus unverputzten Ziegelsteinen.

 

Dies ist das Rathaus mit Post.

 
































Dies ist die Kirche.



Und dies eine Figur neben der Kirche.

 


Das war es erst mal für den Moment. Ich habe vor, jede Woche etwas zu schreiben. Dann werde ich schon mehr wissen. 
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Abschließend noch eine Auswahl litauischer Wörter zum Mitlernen:

ežeras: See
gatvė: Straße (mit Gebäuden am Straßenrand, sonst: kelias)
žemas: niedrig (Žemaitija =„Niederlitauen“)

3 Kommentare:

  1. Also, das finde ich alles überaus interessant und ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge...
    Die Bilder sind übrigens sehr schön und ich denke es wird eine spannende Zeit

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  2. Na das hört sich doch wunderbar an. Das mit dem Englisch sprechen wird noch werden bzw. mit dem Litauisch sprechen. Die Bilder sind wunderschön und ich bin gespannt auf mehr

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  3. Zum Glück hast Du die Hintergrundfarbe Deines Berichtes in Blau geändert, jetzt konnte ich ihn auch endlich lesen. Mit dem Rot hat es meine Augen erstochen....
    Die Bilder erinnern mich sehr an Island, gibt wohl Ähnlichkeiten zwischen den nördlichen Ländern... manch einer mag ja lieber den Süden, aber ich liebe diese Landschaft...
    Viele liebe Grüße, coole Leute, tolle Eindrücke wünscht Dir Anne

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